Am Stadtrand von Wien stand ein charmantes, kleines Haus aus den Kriegsjahren – typisch für seine Zeit: Hochparterre, Wohnräume zur Straße, Teilunterkellerung und ein rückwärtiger Eingang. Über Jahrzehnte gepflegt, trug es die ortsbildprägende Architektur seiner Epoche in sich. Auf der Gartenseite jedoch prägte eine riesige, verwahrloste Feuermauer des Nachbarhauses den Außenraum, ein grauer Riese, der den Blick und die Atmosphäre bestimmte.
Ziel des Projekts war es, den Bestand nicht zu ersetzen, sondern sinnvoll weiterzuentwickeln. Der neue Anbau an die Feuermauer war der Schlüssel – er verdeckt einen Großteil ihrer Höhe, staffelt die Baukörper zum eigenen Grundstück hin ab und schafft einen geschützten, privaten Gartenbereich. Diese Abtreppung prägt sowohl die Gebäudeform als auch die räumliche Verbindung von Haus und tieferliegendem Garten.
Bestehendes und Neues greifen ineinander, ohne ihre Unterschiede zu verlieren. Der sanierte Bestand erzählt die Geschichte des Hauses, die neuen Bauvolumen setzen eine klare, zeitgenössische Architektursprache dagegen. So entsteht ein spannungsvoller Dialog – präzise im Entwurf, harmonisch im Kontext einer lockeren Einfamilienhaussiedlung.
Der Zubau wurde als demontierbares Aluminiumsystem geplant – vollständig rückbaubar und wiederverwertbar. Holz ist das prägende Material, sowohl konstruktiv als auch im Interior Design: Heimische Eiche in verschiedenen Oberflächenstrukturen bringt Wärme und Charakter. Vorgefertigte Holzbauteile mit Zellulosedämmung ermöglichten eine schnelle Bauzeit von nur elf Monaten. Ein neuer seitlicher Zugang von der Straße führt nun direkt ins Haus und schafft einen klar abgegrenzten, privaten Gartenbereich. Im Inneren gliedert sich der Wohnraum split-levelartig und öffnet sich vollständig zum Garten. Eine vorgelagerte Terrasse verlängert den Wohnbereich ins Freie, Stufen führen sanft hinab ins Grün. Straßenseitig bleibt die Fassade geschlossen, gartenseitig öffnet sie sich großzügig – für Licht, Ausblick und Naturbezug.
Das Energiekonzept kombiniert passive und aktive Maßnahmen: geschlossene Südfassade im Bestand, optimierte Ausrichtung des Zubaus, hochwertige Dämmung, Außenbeschattung und Sonnensegel. Eine Luftwärmepumpe sorgt für Heizen und Kühlen über Fußbodenheizung und Bauteilaktivierung. Eine PV-Anlage deckt den Eigenstrombedarf und versorgt auch E-Mobilität. LED-Beleuchtung und der Verzicht auf fossile Energieträger runden das nachhaltige Konzept ab.
Dieses Projekt zeigt, wie behutsames Weiterbauen Geschichte bewahren und gleichzeitig zukunftsorientiert gestalten kann – mit architektonischer Klarheit, funktionaler Präzision und einer konsequent nachhaltigen Haltung.